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Geschichte

 

Nikitsch

 

luftbild_nikitschUnser Gebiet war nachweislich schon vor rund 8000 Jahren, also seit dem Beginn der Jungsteinzeit von Menschen besiedelt. Frühzeitliche Funde weisen vor allem auf Ansiedelungen entlang des Nikitschbaches hin. Die damaligen Bewohner hatten vor allem von Ackerbau und Viehzucht gelebt. 
In den letzten vorchristlichen Jahrhunderten wurden die in unserer Region häufigen Eisenerzvorkommen von den Kelten genützt. Auf die römische Periode der Zeit des 1.-4. Jhdts. n. Chr. als Teil der römischen Provinz Pannonien folgte die Völkerwanderung, im Zuge derer eine Vielzahl von verschiedenen Völkerschaften unsere Gegend durchstreiften. Ab dem Ende des 8. Jhdts. kamen sowohl deutsche als auch wenig später magyarische Siedler in unsere Heimat.
Erstmals wird Nikitsch um 1153 in der Form „Philes“ genannt. Unter der Bezeichnung „Nikitsch“ (Ukac 1204, Ikech 1311, Ugeid 1360, Vüketsch 1392, Ukech 1415, Yketsch 1437, Ikitsch 1522) wurden ursprünglich die Gemarkungen von Nikitsch, Kroatisch Minihof und das dazwischenliegende Edelgut Galoshaza verstanden, die eine landschaftliche und siedlungs- mäßige Einheit bildeten. Für Nikitsch tritt später häufig der ungarische Name „Füles“ auf.
Das Dorf Nikitsch gelangte wahrscheinlich noch im 13. Jhdt. in den Besitz der Güssinger Grafen; 1311 wurde Nicolaus von Güssing, der Herr von Lockenhaus, als Grundherr genannt. 1371 wurde Nikitsch der Familie Kanizsai zugeeignet.
Durch Seuchen und Türkenkriege waren viele Dörfer unserer Heimat in der ersten Hälfte des 16. Jhdts. entvölkert worden. 1536 wurde Nikitsch als völlig wüst liegendes Dorf erwähnt. Die Zeit der Wiederbesiedelung des verödeten Ortes kann mit den Jahren 1537-40 angegeben werden. Der Hauptstrom der Einwanderer dürfte um 1540 gekommen sein. Die Wiederbesiedelung erfolgte überwiegend mit kroatischen Bauern, die aus den kroatischen Besitzungen des damaligen Grundherrn Thomas Nádasdy stammten und vor den ständig vordringenden Türken auf der Flucht waren.
Der damalige Besitzer des Kastells Gálosháza, Laurentius Hyrnyk, hatte sich im Rahmen dieser „Reanimation“ des Ortes große Verdienste erworben.1544 wurde ihm das halbe Dorf Nikitsch verpfändet, so dass er selbst Nutznießer der Neusiedelung wurde. 1564 wurde die zweite Ortshälfte gleichfalls verpfändet.
Im Zeitraum von 1559-62 muss eine starke Nachbesiedelungswelle erfolgt sein, da die zweite Ortshälfte gegenüber der ersten stark angewachsen war; zur gleichen Zeit stieg auch die Bevölkerungszahl des benachbarten Dorfes Kroatisch Minihof gewaltig an.

Im ersten Jahr des 17. Jhdts. brach über den Ort eine Katastrophe herein, von deren Folgen er sich - verstärkt durch widrige Umstände - erst gegen Ende des Jahrhunderts einigermaßen erholen konnte. Wahrscheinlich durch kaiserliche Söldnertruppen, die seit Beginn des „langen Türkenkrieges“ im Jahr 1593 immer wieder unseren Landstrich durchstreiften, eingeschleppt, breitete sich die Pest in unseren Dörfern aus. In Nikitsch brachte die Seuche rund ein Drittel der Häuser zum Veröden.
1605 brach das Unheil mit dem Bocskay-Aufstand über das sich gerade mühsam erholende Nikitsch herein, ebenso mussten die geplagten Dorfbewohner während des Bethlen-Aufstandes 1620-22 Zwangsrequirierungen, Brandschatzungen, Plünderungen, Totschlag und andere leidvolle Erfahrungen schutzlos über sich ergehen lassen.
Während andere Dörfer diese Katastrophen innerhalb zweier Jahrzehnte erstaunlich schnell überwanden, konnte Nikitsch nie mehr seinen einstigen Umfang erreichen. Der ungarische Mitteladel trachtete danach, aus seinen Untertanen ein Maximum an Profit herauszupressen, ohne den von den großen Magnaten Esterházy und Batthyány sehr wohl beachteten Grundsatz zu berücksichtigen, dass das Wohl der Untertanen zugleich das Wohl des Grundherrn bedeutete. Erschwerend wirkte sich auch der Umstand aus, dass die folgenden Grundherren Réchey und Sitkey nicht Eigentümer, sondern nur Pfandherren waren und zur skrupellosen Ausnützung aller Möglichkeiten veranlasst wurden.
Beim Schloss wurde ein großer Meierhof errichtet, ebenso in Nikitsch. Als 1661 die Herrschaft Réchey im Mannesstamm ausgestorben und der Besitz nach ungarischem Recht an die Krone gefallen war, erwirkte der Herr der Herrschaft Lockenhaus, der königliche Hofrichter Franz Nádasdy, für sich eine Schenkung über das Réchey-Vermögen. Er musste jedoch die rechtmäßigen Ansprüche der Witwe Georg Récheys, Eva Amadé, auf das Kastell Gálosháza anerkennen, und so gewährte er ihr das Recht, die Hälft des Kastells auf Lebenszeit zu bewohnen und zu nutzen. Als der zweite Gemahl der Eva Amadé, Adalbert Sennyey, begann, seine grundherrlichen Rechte rücksichtslos zu nutzen, erhob sich der Widerstand der Gemeinde. Urbarialkonflikte zwischen Untertanen und Grundherren bis hin zur offenen Rebellion waren die Folge.
Die Gefangennahme (1670) und Hinrichtung Franz Nádasdys 1671 sowie die darauf folgende Beschlagnahme seiner Besitzungen ließen in den Nikitschern die Hoffnung erwachen, ihre Lage verbessern zu können. Im selben Jahr legte eine Gemeindedelegation dem Kaiser in Laxenburg ein Bittgesuch um die Bestätigung der „uralten Freyheitten und Privilegien des Dorfes Ikesch“ vor, woraufhin zwei Jahre heftiger Auseinandersetzungen folgten. Letztlich gingen doch die Nikitscher Bauern als Sieger hervor. Adalbert Sennyey musste weichen, die Grundherrschaft übernahm im Jahr 1673 der Schwiegersohn des hingerichteten Grafen Nádasdy, Graf Nikolaus Draskovich. 1674 löste dieser die zweite Ortshälfte von Nikitsch aus dem Pfandbesitz der Sitkey-Linie ein. Damit endete die mehr Nikitsch um 1930als hundert Jahre andauernde Verpfändung von Nikitsch. Der Ort wurde samt dem Kastell Gálosháza, dem Markt Deutschkreutz und dem Dorf Kleinwarasdorf zur Grundherrschaft Deutschkreutz zusammengeschlossen. 1676 brachte jedoch Paul Esterházy die ehemaligen Nádasdyschen Herrschaften Lockenhaus, Klostermarienberg und Deutschkreutz an sich und verpfändete das Kastell Gálosháza samt dem Dorf Nikitsch im darauf folgenden Jahr an Simon Despoth, seinen Oberpfleger des Schlosses Eisenstadt. Nachdem dieser den Besitz wiederum an das Benediktinerkloster Martinsberg verkauft hatte, gelangten Gálosháza und Nikitsch bereits vor 1695 wieder in die Hände Paul Esterházys. Dieser trat die Besitzungen 1708 an Adam Meskó ab. Dieses Jahr ist daher als das Geburtsjahr der selbständigen Herrschaft Nikitsch zu bezeichnen, die bereits 1675 vorgebildet war.
Der Jurist Adam Meskó wurde 1721 in den erblichen Freiherrnstand erhoben. Im Besitz dieser Familie, die sich nach der Einheirat eines Grafen Zichy seit 1903 Zichy-Meskó nennt, befindet sich das Kastell Gálosháza - heute allgemein als „Schloss Nikitsch“ bezeichnet - bis zum heutigen Tag.
Die beiden Weltkriege trafen Nikitsch und seine Nachbarorte mit voller Wucht - viele Gefallene zeugen davon. Erst nach dem 2. Weltkrieg begann der wirtschaftliche Aufschwung.
Durch die nun einsetzende Mechanisierung und Technisierung wurden jedoch viele Arbeitskräfte frei, die mangels Beschäftigungsmöglichkeiten im eigenen Ort zu Wochenpendlern wurden oder gänzlich nach Wien abwanderten. 1953 wurde das Verwaltungsgebäude errichtet. 1956 kamen während des Aufstandes in Ungarn mehrere Tausende von Flüchtlingen nach Nikitsch, wo ein Durchgangslager eingerichtet wurde.

 

 

Kroatisch Geresdorf

 

luftbild_geresdorfDie erste urkundliche Nennung des Ortes unter dem Namen „Gerolth“ geht auf das Jahr 1156 zurück. Aus „Geroltesdorf“, das Dorf des Gerolt, entwickelte sich der deutsche Ortsname „Geresdorf“. Die kroatische Form „Geristof“ wurde wahrscheinlich bereits seit dem 16. Jhdt. gebraucht. Der Ort war Bestandteil der Grafschaft Lutzmannsburg, die sich im Besitz der deutschen Ritter Gottfried und Albrecht Gösfalvi befand. Im Jahr 1329 war unser Dorf im Besitz der Abtei Klostermarienberg. 1529-1532 blieb Kroatisch Geresdorf, nun „Gyrolth“ und im Herrschaftsbesitz von Landsee, so wie seine Umgebung von Pestepidemien und Türkenkriegen nicht verschont. Doch gerade diese Türkenkriege spielten in der weiteren Entwicklung dieser Gegend eine entscheidende Rolle. Die verlassenen Dörfer wurden von Flüchtlingen aus Kroatien besiedelt.

 

 

Kroatisch Minihof

 

luftbild_minihofDas Gebiet von Nikitsch, aus dem der Besitzteil des Banus Dominicus, Sohn des Bors, als Schenkung an die Mönche von Heiligenkreuz im Wienerwald zur Gründung eines Zisterzienserklosters herausgeschnitten wurde, kommt im Jahr 1195 als „Vkas“ vor.  Für das Gut „Vkas“ setzte sich allmählich die Bezeichnung Minihof (Hof der Mönche) durch, nachdem die Zisterzienser hier einen Meierhof errichtet hatten. Der kroatische Name „Mjenovo“ ist als lautliche Adaptierung des deutschen Minihof zu verstehen. Nach Verödung infolge des Türkensturms wurde auch Kroatisch Minihof im Laufe des 16. Jahrhunderts mit Kroaten neu besiedelt